Der Wert der Figuren

Bauerneinheiten

Beim Angreifen, Verteidigen, Abtauschen und Opfern von Figuren muss man ihren Wert kennen. Wer sich beim Abtauschen übers Ohr hauen lässt, verliert schnell die Partie. Je mehr Felder eine Figur auf dem Brett beherrscht, desto höher ihr Wert. Die Währung für den materiellen Wert von Figuren ist die Bauerneinheit.

FigurWert (Bauerneinheiten)
Dame9
Turm5
Läufer3
Springer3
Bauer1

Ein bisschen Theorie

Dame und Turm nennt man Schwerfiguren, Springer und Läufer Leichtfiguren.

Ein Springer hat also den Wert von drei Bauern. Tauscht man den Springer gegen drei Bauern ab, so bleibt die Lage materiell ausgeglichen. In der Praxis kommt es nochauf die Stellung an. Im Endspiel werden die Bauern wertvoller, im Mittelspiel kann eine Figur im Angriff stärker sein als drei Bauern.

Zwei Läufer arbeiten im Läuferpaar stark zusammen, weil sie alle Felder überstreichen. Das Läuferpaar ist in offener Stellung (wenige blockierte Bauern) stärker als Läufer und Springer. Daher ist ein Läufer einen kleinen Tick wertvoller als ein Springer, man tauscht ihn nicht sofort gegen Springer ab. Bei geschlossener Stellung, in der die Läufer durch blockierte Bauernketten eingeschränkt werden, ist der Springer hingegen mobiler.

Ein Turm ist zwei Bauerneinheiten teurer als eine Leichtfigur. Diesen Materialunterschied nennt man Qualität.

Ungleiches Material

Man spricht von ungleichem Material, wenn zwar die Bilanz in der Bauernwährung ausgeglichen ist, jedoch Weiss und Schwarz unterschiedliche Figuren haben.

FigurenEtwa gleichwertig

Das Opfer

Wenn ein Spieler Materialverlust in Kauf nimmt, um Angriff oder Stellungsvorteil zu erlangen, spricht man vom Opfer.

Im Königsangriff wird häufig geopfert. Mit Bauernopfern kann man die gegnerische Königsstellung aufreissen oder Angriffslinien öffnen. Mit Figurenopfern zerstört man den verteidigenden Bauernschild.

Beim Opfern von Schwerfiguren rechnet der angreifende Spieler die entstehenden Varianten in der Regel bis zum Schluss durch. Schluss heisst hier Matt des gegnerischen Königs oder vorteilhafter Rückgewinn des Materials.

Der Abtausch Turm gegen Läufer oder Turm gegen Springer heisst Qualitätsopfer. Qualitätsopfer und Bauernopfer sind oft rein positionelle Opfer. Man erreicht durch sie einen Stellungsvorteil, der zwar nicht in konkreten Varianten berechenbar ist, doch dem opfernden Spieler überlegene Stellung seiner Figuren, Angriffschancen oder eine klare Initiative verspricht.

Schach ist ein materielles Spiel. Daher muss man den Wert der Figuren kennen. Sonst wird man im Abtausch übers Ohr gehauen oder verliert wertvolles Material. Wer mehr Material hat, kann alles abtauschen, am Ende einen Bauern zur Dame bringen und dann bequem Matt setzen.