Abgelehntes Damengambit

1.d4 d5 2.c4 e6

Das abgelehnte Damengambit gilt als eine der solidesten Eröffnungen gegen 1.d2-d4. Schwarz deckt seinen Zentrumsbauern auf d5 und beginnt mit zügiger Entwicklung des Königsflügels. Dabei wird der Läufer auf c8 zunächst eingeschlossen. Später steht die Aktivierung dieses Läufers für Schwarz im Mittelpunkt. Dazu setzt er entweder ... e6-e5 durch oder fianchettiert den Läufer über b7.

Im Sprachgebrauch hat sich der Name abgelehntes Damengambit für die Zugfolge 1.d4 d5 2.c4 e6 eingebürgert, obwohl es verschiedene andere gute Züge gibt, die das Gambit ablehnen.

Das abgelehnte Damengambit kommt seit 1886 in Weltmeisterschaftskämpfen vor.

Ausgangsstellung

Hauptvarianten mit 4.Lg5 Le7 5.Sf3

Lasker-Verteidigung: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 0-0 6.e3 h6 7.Bh4 Ne4 8.Bxe7 Qxe7

In der Lasker-Verteidigung entlastet sich Schwarz durch den Abtausch zweier Leichtfigurenpaare. Schwarz greift in diesen und anderen Systemen den Lg5 mith7-h6 an, damit Weiss später nicht unter Tempogewinn mit den Zügen Lf1-d3 und Dd1-c2 den Bauern h7 bedroht. Nun ist 9.Tc1 gut, um später auf c3 mit dem Turm wiederzunehmen

Orthodoxe Verteidigung Tempokampf: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 0-0 6.e3 Nbd7 7.Rc1 c6 8.Qc2

In der Tempokampf-Variante stellt Weiss die Entwicklung des Läufers Lf1-d3 so lange wie möglich zurück, um auf ein schwarzes ...d5xc4 zu warten. Dann könnte der Läufer in einzem Zug von f1 nach c4 schlagen, statt Lf1-d4xc4. Weiss hätte ein Entwicklungstempo gewonnen.

Capablancas Entlastungsmanöver: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 0-0 6.e3 Nbd7 7.Rc1 c6 8.Bd3 dxc4 9.Bxc4 Nd5 10.Bxe7 Qxe7 11.0-0 Nxc3 12.Rxc3 e5

Das Entlastungsmanöver von Capablanca löst das Entwicklungsproblem des schwarzen Damenläufers durch die Befreiung 12... e6-e5. Allerdings kann Weiss nach 13.dxe5 Nxe5 14.Nxe5 Qxe5 15.f4 seine Bauernmehrheit am Königsflügel ins Rollen bringen.

Tartakower-Variante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.Nf3 h6 6.Bh4 0-0 7.e3 b6

Hier wird der schwarze Damenläufer über eine Fianchettierung nach b7 entwickelt. Dieses System des Damengambits gilt als sehr solide und Schwarz behält Gegenspiel. Ein Nachteil des Zuges b6 ist eine leichte Schwächung der hellen Felder am Damenflügel. Weiss wird mit cxd5 fortsetzen, um die c-Linie zu öffnen.

Schwarz spielt 4... Sbd7

Cambridge-Springs-Variante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Nbd7 5.e3 c6 6.Nf3 Qa5

In der Cambridge-Springs-Variante stellt Schwarz die Entwicklung des Königsläufers zurück, um Zeit für einen Gegenangriff per Fesselung des Springers auf c3 zu gewinnen. Der beste Zug ist nun 7.Sf3-d2. Wenn Weiss nun schematisch 7.Lf1-d3 spielt, kommt unangenehm 7... Sf6-e4!

Weiss spielt nicht 4.Lg5

Abtauschvariante: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.cxd5 exd5

Weiss löst in der Abtauschvariante früh die Zentrumsspannung auf. Nun entsteht eine asymmetrische Bauernstruktur. Nachfolgend spielt Weiss gerne den sogenannten 'Minoritätsangriff' mit b2-b4-b5 und b5xc6, der Schwarz einen schwachen Bauern auf c6 verpasst. Schwarz wehrt sich durch einen Angriff am Königsflügel mit Zügen wie f7-f5 und Sf6-e4.

Ragosin-System: 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Sf3 Bb4

Schwarz leitet mit diesem Läuferzug in Stellungstypen über, die Nimzowitsch-Indisch ähneln. Tatsächlich können beide Eröffnungen durch Zugumstellungen ineinander übergehen, insbesondere, wenn Weiss nun 5.e2-e3 spielt.